Ria Lüning im Interview zum Thema Digitale Distribution
- Friday, September 12. 2008, 10:15
Ria Lüning im Interview mit DUPLICATION & MORE: Digitalen Distribution aus Sicht der Dienstleister
e-media: Wie bereitet sich Ihr Unternehmen auf die Ära der digitalen non-physischen Distribution von audiovisuellen Inhalten vor bzw. welche Services bietet Ihr Unternehmen bereits in diesem Umfeld?
Ria Lüning: Wir digitalisieren, archivieren und sichern audiovisuelle Inhalte für den non-physischen Vertrieb schon seit vielen Jahren. Durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Partnern haben wir eine zuverlässige und effiziente Plattform für die Digitalisierung, das Encoding und den Versand geschaffen. Neuartige und automatisierte Produktionsprozesse garantieren somit Plattform- und Formatunabhängigkeit, hohe Zuverlässigkeit und Termintreue.
Wir encodieren alle audiovisuellen Inhalte vom Spielfilm bis hin zur kompletten Serie für mobile, tragbare und stationäre Endgeräte. Für einige unserer Kunden stellen wir unser eigens entwickeltes Metadaten-Creation Softwaretool bereit, welches bei der Zusammenstellung aller notwendigen Komponenten für die digitale Ausspielung erforderlich ist.
Durch unsere langjährigen Geschäftsbeziehungen zu weltweit allen relevanten Anbietern aus der Telekommunikation, Rundfunk, Pay-TV, VOD, Electronic Sell Through (EST), IPTV und der Filmindustrie können wir alle Branchenstandards, Plattformen, Formate, Bitraten und Anlieferungsprozesse national und international realisieren. Als eines der ersten Unternehmen in Deutschland, digitalisieren wir seit kurzem für den iTunes Store von Apple, im Auftrag von Warner Bros., TV-Serien und Spielfilme für den deutschsprachigen und französischen Raum.
Unsere Dienstleistungen:
- Asset Management inkl. Eingangskontrolle
- AV Capturing & Enhancement
- Encoding in die benötigten Formatvariationen WMV, H.264, MPEG2 und HD
- Versions- & Formatkontrolle
- Quality Control
- Digitales Wasserzeichen
- Anlieferungsprozess (Digital Delivery über Aspera, SmartJog etc.)
- Verwaltung & Abrechnung
Ria Lüning: Der Trend, insbesondere bei den jungen Leuten - und das ist die hauptsächliche Ziel- und Nutzergruppe - geht heute schon weg vom klassischen programmbasierten Fernsehen hin zur abrufbasierten Nutzung neuer Angebote. Streaming- und Downloadverfahren sind die beiden favorisierten Technologien der Nutzergruppe, um Angebote aus dem Netz zu beziehen. Die heutige Nutzergruppe besteht aus Schülern, Studenten und Jungfamilien die keinen hohen Anspruch auf die Bildqualität legen und überwiegend ein Notebook verwenden.
In 2008 werden voraussichtlich 230.000 Haushalte ihren DSL-Anschluss ausschließlich für den TV-Empfang und für zusätzliche Pay-Per-View Angebote aus dem Netz nutzen. Marktstudien prognostizieren bis 2011 mehr als 2 Millionen angeschlossener DSL-TV Haushalte in Deutschland, wobei 58 Prozent aller Haushalte nur über einen 2 Mbit/s Internetzugang verfügen. Wenn die Industrie diesen Massenmarkt erschließen will, dann müssen optimale Voraussetzungen geschaffen werden.
e-media: Welche technischen oder strukturellen Hürden sehen Sie, die einer größeren (legalen) Marktdurchdringung noch im Wege stehen?
Ria Lüning: VOD/EST - Leider herrscht ein Wirrwarr an Geschäftsmodellen und technischer Infrastruktur. Langfristige Kundenbindung, keine transparenten Angebote und viele Insellösungen verunsichern weiterhin den Kunden. Hinzu kommt die Vielzahl an neu verfügbaren Receivern, integrierten Fernsehgerätlösungen, proprietären Streaming-Boxen und PC-Software-Playern die leider nicht mit oder zu einander kompatibel sind. Video-Streaming- und Download benötigen eine zuverlässige Übertragungsleistung, die heute immer noch nicht gewährleistet ist.
Attraktive und leistungsstarke Breitbandangebot mit 25-30 Mbit/s Downloadraten sind für optimale Bedingungen und Performance, um VOD, DTO, IPTV und User Generated Content zu empfangen, Pflicht. Hier haben zurzeit die Kabelnetzbetreiber die Nase vorne.
Die empfangbare Bildqualität und die Aktualität der Inhalte müssen im Fokus der Anbieter stehen. Nur dann erzielt man Reichweite und kann mit Premiumpreisen die Inhalte vermarkten. Zu bedenken ist, dass die jährlichen Haushaltskosten inklusive GEZ für ein Rundum Sorglos TV-, Internet-, Pay-TV- und VOD-Abo mit Telefon-Flatrate inbegriffen bei nur knapp unter 2.000,- Euro liegt. Das ist viel Geld.
Ausblick:
Digital (Managed) Copy - mit dem der Käufer einer Blu-ray Disc oder -DVD eine zusätzliche, kostenlose digitale Kopie des Films erhält - ist eine richtungsweisende Entwicklung. Nicht nur um die Piraterie von Raubkopien und gerippten Filme einzudämmen – mit diesem Geschäftsmodell bzw. dieser Art von Angebot wird der Kunde mit dem non-physischen Medium vertraut gemacht. Die Akzeptanz diesen attraktiven Mehrwert über das Netz zu beziehen, dürfte in kürzester Zeit erreicht sein. Userfreundliches handling und Aktualität erlauben hier eine steile Lernkurve.
Diese Form vom non-physischen Vertrieb wird den VOD, Pay-Per-View und DTO Markt massiv beflügeln.
Vorsicht ist geboten!
Der Formatstreit HD DVD vs. BD hat viele Early-Adopter und Technologie-affine Techies verprellt und dazu bewegt nur noch Inhalte über den non-physischen Weg zu beziehen. Um so formatunabhängig zu bleiben, aber auch um die Inhalte gleich für mehrere Endgeräte zu erwerben bzw. zu verwalten.
Fazit:
Nur jene Geschäftsmodelle werden nachhaltig erfolgreich sein, welche die Bedürfnisse der Nutzer umsetzen und im Fokus haben. Die technische Infrastruktur muss schnellstmöglich flächendeckend auf Basis einer harmonisierten Geräteplattform umgesetzt werden. Nur so können kompatible und attraktive Empfangsgeräte, die es ermöglichen, alle verfügbaren Inhalte und Angebote aus dem Hör- und Rundfunk und Netz zu empfangen, entwickelt werden.

